„Jesus antwortete ihm: lass es nur zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen. Da gab Johannes nach.“ Mt 3,15
„Die Demut entwaffnet die Gerechtigkeit Gottes.“ °Pfr. von Ars
Wir verstehen Johannes, wenn er sich weigert, den Herrn zu taufen. Jesus, der Sündenlose, in der Reihe der Sünder, besonders auch der Pharisäer und Sadduzäer, das ist einfach unfassbar. Aber der Herr geht den Abstieg, der mit der Menschwerdung und Geburt begonnen hat, weiter hinunter. Dabei öffnet sich jedes Mal der Himmel, bei der Verkündigung durch die Botschaft des Erzengels Gabriel, bei der Geburt durch den Gesang der Engel, bei der Taufe Jesu durch die Stimme aus dem Himmel: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. (Mt 3,17). Und Jesus weiß, dass dieser Abstieg die Gerechtigkeit ganz erfüllt. Ist uns der Zusammenhang von Taufe und Gerechtigkeit überhaupt schon aufgefallen?
Im Paradies haben Eva und Adam sich von der Schlange verführen lassen, wie Gott zu werden, wenn sie von der verbotenen Frucht essen. Das Elend der Trennung des Menschen von Gott hat damit begonnen. Den Weg zurück zum Vater kann der Mensch, das armselige Geschöpf, nicht gehen. Nur Gott alleine kann dem Menschen eine neue Chance geben. Und Er hat sie gegeben in Seinem Sohn Jesus.
„Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich… er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (Phil2,6ff).
Im lichtreichen Rosenkranz, den Papst Johannes Paul II. 2002 eingeführt hat, betrachten wir den Abstieg Jesu, der neu das Licht des Himmels den Menschen schenkt. So offenbart der Herr nach Seiner Taufe bei der Hochzeit in Kana Seine Herrlichkeit und Seine Jünger glaubten an ihn. Das Geheimnis der himmlischen Hochzeit wird erst am Kreuz vollendet werden. Der Wein der Hochzeit ist es Blut Jesu Christi, der Kaufpreis unserer Erlösung.
Der Abstieg Jesu macht es den Menschen möglich, Seine Botschaft zu hören, aufzunehmen und umzukehren, wozu das dritte Geheimnis des lichtreichen Rosenkranzes einlädt.
In der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor im vierten Geheimnis wird während des Gespräches mit Mose und Elija über das Ende in Jerusalem der Herr erneut von einer Stimme aus der Wolke offenbart: Dieser ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören (Lk9, 28ff).
Im Kreuzestod steigt der Herr noch weiter hinab. Er lässt sich unter die Verbrecher zählen. In der Annahme Seines qualvollen Todes nimmt Er die ganze Schuld der Auflehnung gegen Gott auf sich. Wir werden eine ganze Ewigkeit nicht ermessen können, welche Schmerzen und Qualen der Herr, der mit dem Vater so innig vereint war, gelitten hat.
Im fünften Geheimnis schenkt uns der Herr in einem weiteren Schritt des Abstiegs die heilige Eucharistie. Er ist zugegen in einem kleinen Stückchen Brot, ausgeliefert den Menschen. Wir können Ihn anbeten, unbeachtet lassen oder sogar verunehren.
Tiefer und unfassbarer konnte Gott in Seinem Sohn Jesus nicht hinabsteigen. So gibt er uns eine neue Chance, unter voller Beachtung unserer Freiheit.
Der Pfarrer von Ars hat die Demut als die erste Tugend und die Grundlage der Tugenden bezeichnet. Er hat verstanden, dass die Demut die Gerechtigkeit Gottes entwaffnet. Er, zu dem Hunderttausende gepilgert sind, hat über sich selbst geäußert: „Ich bin wie eine Null vor der Ziffer. Ich bin zu alt; ich tauge zu nichts mehr“.°²
So war er selbst ein Werkzeug, dass Gottes Gerechtigkeit in den Herzen vieler Menschen wieder aufgerichtet wurde. Mit der Hilfe des Heiligen Pfarrers wollen wir erneut den Abstieg in die Demut wagen, damit der Herr auch durch uns die Gerechtigkeit erfüllen kann.
10.12.2026 ih
° Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.251
°²Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars, Joh. Bapt. Maria Vianney, 2. Bd.,1863, S. 437
