Pfingsten 24.05.206 Lesejahr A

„Wer Durst hat, komme zu mir und es trinke, wer an mich glaubt! Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen.“ Joh 7, 37f
„Wenn man den Heiligen Geist besitzt, wird das Herz weit und badet in der göttlichen Liebe.“ ° Pfr. von Ars

 

Alle wesentlichen Ereignisse im Leben Jesu spielen sich beim Evangelisten Johannes an hohen Festen ab, so auch am Laubhüttenfest die Verheißung des Heiligen Geistes. Das Ritual des Wassersschöpfens bezieht Jesus auf Sich selber. Er gibt das lebendige Wasser allen, die an Ihn glauben, und aus ihnen werden ebenfalls Ströme lebendiges Wassers - Ströme des Heiligen Geistes - fließen.
Diese Verheißung gilt bis heute. Aber glauben wir an sie? Haben wir nicht schon so oft um den Heiligen Geist gebetet, ohne Seine Nähe gespürt zu haben? Hat dann nicht unser Glaube nachgelassen, dass Jesus auch heute in uns Seinen Geist fließen lassen möchte? Pfingsten ist die Einladung zur Erneuerung unseres Glaubens an den Herrn, der heute so reich wie damals ist, um uns mit Seinem Geist zu beschenken.
Im zweiten Hochgebet betet der Priester: „Ja, du bist heilig, großer Gott, du bist der Quell aller Heiligkeit. Sende deinen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie, damit sie uns werden Leib und Blut deines Sohnes unseres Herrn Jesus Christus.“
Gott selber wird als Quell angesprochen, der Quell der Heiligkeit im Heiligen Geist. Dieser Quell verwandelt nicht nur Brot und Wein in Leib und Blut Christi, sondern auch uns immer tiefer in die Gotteskindschaft hinein. Wir haben es schon so oft gehört. Und gerade dann besteht die Gefahr, es zu überhören.
Das israelitische Volk hat in den vierzig Jahren der Wüstenwanderung bei Wassermangel Todesängste ausgestanden und in Meriba mit Gott und Mose gehadert. Trotz ihres mangelnden Vertrauens schenkte der Herr durch Mose ihnen Wasser in Fülle und damit das Weiterleben (Ex 17,1-7).
Für den Pfarrer von Ars war das Bild des Wassers für den Heiligen Geist geläufig. Monnin berichtet in seiner Biografie, dass sie öfters gehört haben, wie er die Herzen der Heiligen flüssig genannt hat. „Wir wunderten uns über diese so auffallende und bestimmte Ausdrucksweise gar sehr, denn wir waren weit entfernt, sie als eine theologische Präzision aufzufassen, und noch mehr wunderten wir uns, als wir in der Summa des heil. Thomas eine Frage fanden, in der der englische Lehrer unter vier Wirkungen der Liebe als die erste aufführt, sie mache das Herz flüssig. So viel steht fest, dass der Pfarrer von Ars den heil. Thomas nie gelesen hat. Dennoch ist es gar nicht auffallend, bei ihm diesen Ausdruck zu finden, der bis auf den Buchstaben dem heil. Thomas entlehnt ist. Es kann das nur die befremden, welche von dem Wirken der Gnade nichts wissen.“ °²
Der Pfarrer von Ars badete gleichsam im Heiligen Geist wie im Wasser. Sein Herz wurde weit, sodass durch ihn der Heilige Geist sprechen konnte. Menschen waren immer wieder über das tiefe Wissen verblüfft, das nicht von ihm war.
Unentwegt hat Vianney zum Gebet um den Heiligen Geist aufgerufen. Machen wir heute erneut sein Anliegen zu unserem eigenen und bitten wir um den Heiligen Geist. So kann auch durch uns im Fluss des Heiligen Geistes das Vertrocknete wieder zu grünen beginnen.
22.04.2026 ih

Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.68
°²Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars, Joh. Bapt. Maria Vianney, 1863, 2. Bd.269f