Palmsonntag 29.03.2026 Lesejahr A

„Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist sanftmütig und reitet auf einer Eselin und auf dem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.“ Mt 21,3

„Durch seine Menschheit verbirgt Gott seine Gottheit … um unseren Augen sichtbar zu werden.“ °Pfr. von Ars

 

Wir treten ein in die heilige Woche, die Karwoche, die uns erneut einlädt zur Teilnahme am Leiden unseres Herrn Jesus Christus bis zum Tod am Kreuz, das Ereignis, das eine Wende der Menschheit bis in die Ewigkeit geschenkt hat und doch vielfach abgelehnt oder nicht verstanden wird.
Jesus, der den Tod eines Verbrechers erleidet, wird heute als König bejubelt. Dieser großartige Einzug nach Jerusalem ist die Erfüllung der Prophetie bei Sacharja 9,9 „Jubel laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Gerecht ist er und Rettung wurde ihm zuteil, demütig ist er und reitet auf einem Esel, ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin.“ Der lang ersehnte Messias wird offenbart, sodass die ganze Stadt erbebte, als Er in Jerusalem einzog. Aber sofort taucht die Frage auf: Wer ist dieser? (Mt 21,10) Zweifel steht am Anfang, Ablehnung am Ende.
Geschlagen und verwundet bekennt Jesus vor dem Statthalter auf die Frage: „Bist du der König der Juden?... Du sagst es“ (Mt.27,11). Dieses Bekenntnis Jesu führt jedoch zu weiterer Verspottung und Verhöhnung: „Sei gegrüßt, König der Juden!“ (Mt 27,29). Am Kreuz wird der Herr in den damaligen Weltsprachen Hebräisch, Lateinisch und Griechisch proklamiert als „Jesus von Nazaret, der König der Juden (Joh19,19)“.
Menschlich unfassbar, aber es ist die ewige Wahrheit Gottes. Jesus korrigiert in Seiner Person alle falschen Bilder, die sich Menschen von Gott je gemacht haben. Er korrigiert auch unsere falschen Bilder von Gott, die sich immer wieder in unser Denken einschleichen. Gott ist anders! Gott ist Gott! Schauen wir immer wieder auf den Herrn, damit Er uns immer tiefer in die Erkenntnis Seiner Gottheit im Vater hineinnehme!
Der Pfarrer von Ars hat in Jesus tief in das Wesen Gottes schauen dürfen. Dies war aber nur möglich durch eine Vereinigung mit dem Herrn am Kreuz. Der Zulauf der Pilger, die Heilungen und Bekehrungen war aufsehenerregend. Seine großen Leiden sind wahrscheinlich weniger bekannt. Acht Jahre lang durchlitt er Angriffe zuerst von Gläubigen und dann aber auch von seinen Mitbrüdern, was ihn noch schmerzlicher traf. In dieser Zeit hat er das Kreuz immer mehr erfasst. „Das Kreuz“, rief er mit himmlischem Nachdruck aus, „das Kreuz sollte den Frieden rauben?! Das Kreuz ist‘s ja gerade, das der Welt den Frieden gebracht, das ihn unseren Herzen geben muss. Alle unsere Erbärmlichkeiten kommen nur daher, dass wir dieses Kreuz nicht lieben… Ein Kreuz, kindlich einfältig getragen, und ohne das Widerstreben der Eigenliebe, das die Schmerzen nur erhöht, ist kein Kreuz mehr…. Ich begreife nicht, wie ein Christ das Kreuz nicht lieben und fliehen kann. Heißt das nicht den fliehen, der für uns daran hat angeheftet werden und sterben wollen?“ °² Gerade in dieser Zeit des Leidens hat Vianney jedoch ganz besondere Gnaden erhalten. Die Pilgerfahrten mehrten sich über alle Berechnung. Auch von entfernten Ländern eilten die Menschen zu ihm. Auch seine großen Wunder und die großartigen Werke geschahen in jener Zeit.°³
Lassen wir uns in dieser Woche an der Hand des Heiligen Pfarrers vom Herrn in eine größere Einheit mit Ihm am Kreuz führen!
16.02.2026 ich

° Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ar, hrsg. Bernard Nodedt, 1959, S.57
°² Alfed Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars, Joh. Bapt. Maria Vianney, 1. Bd. 1863, S.335.
°³ ebenda. S. 352