Kreuzerhöhung 14.09.2026 Lesejahr A

„Und so wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Joh 3,14ff

„Das Kreuz ist die Himmelsleiter.“° Pfr. von Ars

Im Nachtgespräch mit dem Pharisäer Nikodemus offenbart Jesus die tiefste Wahrheit über sein Kreuzesleiden. Auf dem Weg durch die Wüste verlor das Volk die Geduld und lehnte sich gegen Gott und gegen Mose auf. Es ekelte sie sogar vor dem Manna, das Gott ihnen täglich gab. Gott schickte Feuerschlangen unter das Volk, sodass viele starben. Da erkannten sie ihre Sünde und baten Mose, den demütigsten unter allen Menschen (Num 12,3), für sie beim Herrn einzutreten. Mose, der so viel unter der Auflehnung des Volkes gelitten hatte, betete für sie und Gott erhörte ihn. Auf Sein Geheiß machte er eine Kupferschlange und hängte sie an einer Stange auf. Wenn jemand gebissen wurde und zur Schlange aufblickte, blieb er am Leben (Num 21,4ff). Nicht die Kupferschlange hat das Leben gerettet, sondern die Barmherzigkeit Gottes in Vorausschau auf den Kreuzestod Jesu. Auflehnung und Hochmut haben den Menschen seit dem Sündenfall in seinen Entscheidungen immer wieder geprägt und ins Unglück geführt. Jesus ist gekommen, um endgültig aus dieser Spirale des Todes den Menschen zu befreien. Er nimmt auf Seinem Erlösungsweg demütige Menschen in Seinen Dienst, zuerst Maria, die mit ihrem Fiat Gott völlig freie Hand gelassen hat und auch unter dem Kreuz sich nicht zurückgezogen hat in eine Zone der Sicherheit. Sie blieb im Fiat. Was muss sie ihr Ja unter dem Kreuz gekostet haben, das Ja zu dem unendlichen Leid ihres Sohnes an den Sünden der Menschheit, das auch sie in ihrem Herzen durchlitten hat, wie dies ein Mensch nur durchleiden konnte.
Auch Johannes der Täufer schreckte davor zurück, Jesus, das Lamm Gottes, in der Taufe am Jordan in die Tiefen menschlicher Schuld hinein zu tauchen. Jesus möchte demütige Menschen in Seinen Erlösungsdienst mit hineinnehmen.
Der Pfarrer von Ars hat dies ganz tief erfasst. Der Mensch wird nur in der Erniedrigung, Demut, Buße bis zum Himmel erhöht. Vianney ist in für uns unfassbarer Weise den Weg der Kreuzesnachfolge gegangen, um Menschen zu retten für den Himmel. „Aus uns selbst sind wir nichts“², so lehrte er. Aber er überließ sich wie Maria ganz dem Herrn, der mächtig durch ihn wirken konnte.
So gibt es ein berührendes Zeugnis von P. Maurice-Marie Borel, Mönch der Großen Kartause (Grande-Chartreuse): „Wir bekennen, wir, Einsiedler, Eremiten, Mönche, alle Büßer, dass wir nur mit dem Blick unserer herzlichen Bewunderung wagen, dem Heiligen Pfarrer von Ars zu folgen, dass wir nicht würdig sind, die Spur seiner Schritte zu küssen, den Staub seiner Schuhe.“ °³
Sprachlosigkeit befällt uns bei diesem Zeugnis. Mutlosigkeit soll jedoch keinesfalls uns niederdrücken. Schauen wir also auf uns selbst! Wir dürfen uns und andere mit all unserer Schuld und unseren Sorgen in das Herz Jesu legen und vertrauen dabei auf Seine unbegrenzte Liebe. Aber denken wir auch daran, dass wir damit auch das Herz des Herrn durchbohren? Denn nur durch Sein Leid kann diese unbegrenzte Liebe zu uns kommen. Auch da verstummen wir vor der Demut Gottes.
Der Heilige Pfarrer weiß, dass auf dem Weg des Kreuzes nur der erste Schritt schwer ist. Er geht mit jedem, der sich ihm anvertraut.
2.09.2026 ih
Aus: °Jean-Marie Baptiste Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Noidet, 1959, S.222
°²ebenda S. 251
°³ Trochu, Le Curé D’Ars Saint Jean – Marie - Baptiste Vianney, 1925, S,564, übersetzt ih