„Ich aber sage dir: Du bist Petrus – der Fels – und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben;“ Mt 16, 18f
„Was nützt ein mit Gold gefülltes Haus, wenn ihr niemanden hättet, um das Tor aufzuschließen? Der Priester hat die Schlüssel zu den himmlischen Schätzen: er ist es, der das Tor öffnet; er ist des lieben Gottes Haushälter, der Verwalter Seiner Güter.“° Pfr. von Ars
Der Schlüssel als Symbol für den Heiligen Petrus zeigt uns seine Aufgabe. Die Bibel spricht immer in Bildern. Mit dem Schlüssel in der Hand hat Petrus die Vollmacht den Himmel zu öffnen oder zu verschließen. Aber was ist denn dieser Schlüssel? Petrus, der Fels, muss kurz darauf einen strengen Tadel von Jesus hören: „Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen“ (Mt 16,23). Petrus hat in menschlich gut gemeinter Absicht versucht, den Herrn vom Leidensweg abzuhalten. Fels ist also Petrus keinesfalls aus eigener Kraft. Es ist ein langer Weg, bis Petrus bitterlich über seinen Verrat am Herrn weint bis zum dreimaligen Geständnis, dass er Jesus trotzdem mit seiner ganzen Kraft liebt. Ein Weg von menschlichem Denken hinein in das Sich-einfügen in den göttlichen Heilsplan. Ein Weg der Umwandlung in Christus hinein. So wie Christus in unvorstellbarer Demut Mensch wurde, um unsere Sünden zu tragen, so muss Petrus den Weg der Demut gehen, seine Pläne aufgeben und sich vom Herrn umformen und führen lassen.
Der Herr ist gekommen, um das gefallene Bild Adams wieder aufzurichten, d. h. den Menschen als Abbild Gottes neu zu schaffen durch Kreuz und Auferstehung. In diese Aufgabe nimmt er Petrus als ersten mit hinein. Symbol hierfür ist der Schlüssel. In diesen Dienst werden auch Paulus und alle Apostel berufen.
Auch die Getauften sind auf ihre je eigene Weise auf diesen Weg eingeladen. Je mehr sie sich von der Gnade Christi führen lassen, werden auch sie Menschenfischer.
Leicht ist dieser Weg nicht. Alle sind durch die Erbsünde gebrochene Menschen. Aber der Herr wirkt - trotz Sünde und Schwachheit. Genau dies dürfen wir als erstes an Petrus und Paulus erfahren, die erst nach einem inneren Zusammenbruch Gottes Botschaft in die Welt getragen haben.
„Das Priestertum ist eine so schwere Last, dass der Priester sie nicht ertragen könnte, hätte er nicht den Trost und das Glück die heilige Messe feiern zu dürfen.“°²
Der Pfarrer von Ars hat gezittert wegen seiner priesterlichen Verantwortung und trotz aller Versuchungen nie an Gottes Barmherzigkeit gezweifelt. Er wusste, dass er und auch die Gläubigen den Weg der Nachfolge nur in der Kraft der Gnade gehen können.
So strahlte in ihm die Liebe und Herrlichkeit Gottes auf – bereits in seinem Leben, aber noch mehr nach seinem Tod.
In einer Biographie von 1867 wird bezeugt, dass Vianney nach einem Sturz einen Aderlass bekam, um Folgen des Unfalls vorzubeugen. Manche fingen das Blut in kleinen gläsernen Fläschchen auf. Dieses Blut ist durchsichtig geblieben wie Wein und ohne jeden Geruch auch, also noch acht Jahre nach dem Tod.°³
Die Verflüssigung des Blutes kennen wir vom hl. Januarius in Neapel, zuletzt beim Besuch des Papstes Leo XIV. am 8. Mai 2026, dem Jahrestag seiner Papstwahl.
Wer sich dem Herrn ganz übergibt, durch den wird der Herr auch nach seinem Tod wirken, wenn auch nicht so spektakulär wie bei den großen Heiligen.
Die Schwäche des Petrus und Paulus ist für uns Hoffnung in unserer Schwäche. Für den Herrn gibt es keine Grenzen Seiner Barmherzigkeit. Der Pfarrer von Ars geht mit uns.
26.05.2026 ih
Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.122
°² ebenda S.125
°³ X X.B.M*** Das innere Leben des im Geruch der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars J- M- Vianney, Regensburg 1867, S. 155
