„Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? Jesus sagte zu ihm: was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.“ Joh 13,6f
„Wenn er von der Liebe unseres, in der heiligen Eucharistie gegenwärtigen Herrn sprach, war er so durchdrungen und ergriffen, dass seine Stimme oft unter Tränen der Rührung erstickte.“ °Cath. Lassagne
Hat sich Jesus von der Sünderin, die Ihm im Haus des Pharisäers Simon mit ihren Tränen die Füße gewaschen, mit ihren Haaren abgetrocknet und mit kostbarem Öl gesalbt hat, für Seine Fußwaschung an den Jüngern inspirieren lassen? Für die Pharisäer war das ein Skandal. Wusste Er nicht, wenn Er doch ein Prophet war, dass diese Frau, die ihn berührt, eine Sünderin ist (Lk 7, 36-50). Für die Jünger war das Verschwendung von Geld, das man besser den Armen gegeben hätte (Mt 26,6-13).
Jesus, den Simon Petrus als den Christus, den Sohn des lebendigen Gottes bezeichnet hatte (Mt 16,16), steigt noch weiter hinab. Er wäscht den Jüngern die Füße. Das Wasser, das Er in eine Schüssel goss, wies hin auf das Wasser, das durch den Stich der Lanze nach Seinem Tod am Kreuz aus Seinem Herzen floss. Die Berührung Seiner Hände waren Salbung für die Jünger. Das Leinentuch, mit dem Er sie trocknete, wies auf Sein hohepriesterliches Gewand aus Leinen hin. Mit diesen Zeichen, die eine tiefere Wirklichkeit offenbaren, zieht Er die Jünger ganz hinein in das eigene Sein, um sich mit ihnen zu vereinen - existenzielle Kommunion, vollkommene Eucharistie – Danksagung an den Vater.
Wie sollte Petrus die Tiefe eines solches Geschehens auch nur erahnen? Seine Zurückweisung der Fußwaschung ist menschlich mehr als verständlich. Eine solche Demut des Gottessohnes kann er doch einfach nicht annehmen! Noch schwerer wird Jesu Einladung an die Jünger, einander die Füße zu waschen. Das bedeutet, in tiefster Demut dem Mitbruder zu begegnen und dann auch den später ihnen anvertrauten Gläubigen.
Jesus bringt nicht nur in Seinen Worten, sondern noch mehr in Seinem eigenen Leben die Wirklichkeit Gottes auf diese Welt zurück, die seit dem Verlust des Paradieses nur noch ersehnt werden konnte.
Heute am Gründonnerstag lädt uns der Herr in besonders intensiver Weise erneut ein, diesen Weg mit Ihm zu gehen, ungeachtet unserer Schwäche, nur im Vertrauen auf Seine Gegenwart in uns in der heiligen Kommunion.
Wie kann dann das tägliche Leben im Herrn aussehen? Der Pfarrer von Ars war ein glühender Verehrer der heiligen Eucharistie und verbrachte Stunden der Anbetung Tag und Nacht vor dem Allerheiligsten, solange er noch nicht sechzehn bis achtzehn Stunden im Beichtstuhl sitzen musste. Aber noch etwas gehört unbedingt dazu, der Umgang mit den Mitmenschen, die auch ihm oft schwer zu schaffen gemacht haben. Christus hat sich selbst den schwersten Sündern nicht verweigert. Am Kreuz wendet Er die Fülle Seiner Liebe dem guten Schächer zu, der so der erste Heilige der Kirche wird. Von Vianney ist bekannt, dass er diejenigen bevorzugt behandelte, die ihm Mühen bereiteten. Achtzehn Monate lang muss er unter furchtbaren Verleumdungen leiden, dass er ein ausschweifendes Leben führen würde. Er sagte später dazu: „Hätte ich bei meiner Ankunft in Ars vorausgewusst, was sich leiden musste, ich wäre sicher auf der Stelle gestorben.“ °² Und doch half er der Familie der Verleumder, als sie in Not war. Menschlich bäumte sich sein Herz dagegen auf. Aber er „warf sich noch rückhaltloser in die Arme der göttlichen Vorsehung.“°²
Das ist gelebte Eucharistie. Scheuen wir wegen unserer Schwachheit nicht zurück! Auch Vianney war schwach. Aber der Herr in uns ist stärker!
18.02.2026 ih
°Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.138
°²Francis Trochu, Der Pfarrer vom Ars, 2001, S.152.
