6. Sonntag der Osterzeit 10.05.2026 Lesejahr A

 „Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.“ Joh 14,16f

„Der Glaube aber ist der Wind, der den Nebel zerstreut und das Licht der Sonne auf unsere Seele scheinen lässt.“° Pfr. von Ars



Die Worte des heutigen Evangeliums sind beeindruckend, aber schwer verständlich. Sie führen in die Tiefe Gottes und übersteigen unser Auffassungsvermögen. Wie könnte es auch anders sein! Wir können uns dem Geheimnis Gottes immer nur nähern, jedoch nie erfassen.
Warum kennen die Jünger den Geist der Wahrheit bereits, nicht aber die Welt, die ihn nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht? Wo haben die Jünger den Geist der Wahrheit gesehen und erkannt?
Gleich am Anfang berichtet Johannes über Jesu Wirken bei der Hochzeit in Kana, bei der Er sechshundert Liter von Wasser in Wein verwandelte, damit das Fest gelingen konnte. Dies war das erste Zeichen Jesu, das Seine Herrlichkeit offenbarte. „Und seine Jünger glaubten an“ (Joh2, 11). Es waren doch viele Menschen bei der Hochzeit. Zum Glauben haben aber nur die Jünger gefunden.
Auch bei den weiteren Zeichen Jesu war die Reaktion der Menschen geteilt. Während die Jünger dadurch immer mehr in ihrem Glauben an den Messias gestärkt wurden, wuchs gleichzeitig die Ablehnung durch andere wie bei den Pharisäern und Schriftgelehrten.
Jesus hat nicht nur für Seine Jünger, sondern für das ganze Volk gebetet, da Er alle retten wollte. Auch Seine Jünger waren noch nicht ganz im Glauben verankert, wie ihre Flucht bei der Festnahme und der Kreuzigung zeigt. Sie hatten die Freiheit der Entscheidung. Während Judas in Verzweiflung fiel, haben alle anderen Jünger den Weg zurück zum Herrn gefunden, zuerst der Lieblingsjünger Johannes.
Menschen haben immer wieder den Wunsch, ganz unmittelbar die Nähe Gottes zu erfahren. Aber wenn dies geschieht, bedeutet das noch nicht unbedingt eine Entscheidung zum Glauben an Ihn.
Der Herr bittet den Vater für jeden um den Beistand, den Geist der Wahrheit. Aber es liegt an jedem einzelnen, den Geist der Wahrheit empfangen zu wollen.
Der Pfarrer von Ars hatte zwar niemals Glaubenszweifel an den offenbarten Wahrheiten, wohl aber musste er um den Glauben an Gottes Wirken in seinen Krisensituationen ebenfalls kämpfen. Er selbst berichtet bei seiner Ankunft in Ars darüber: „Als ich ankam, war ich voll Sorge und Furcht, ich ging weinend umher; als ich meine tränenfeuchten Blicke erhob, sah ich das Kreuz, welches am – Wege steht (er nannte den Ort); ich fiel davor auf die Kniee nieder und betete seufzend: da erschien mir die heilige Jungfrau und sagte zu mir: gehe vertrauensvoll zurück nach Ars; in kurzer Zeit wird man in Frankreich und in anderen Ländern von diesem Ort sprechen. Darauf verschwand sie. Gestärkt durch diese freundlichen Worte ging ich fort.“°²
Dies war nicht das einzige Zeichen, das er vom Himmel erhielt, um im Glauben gestärkt zu werden.
Wir haben solche Erfahrungen nicht. Aber wenn diese aufgeschrieben sind in der Heiligen Schrift oder auch im Leben des Heiligen Pfarrers von Ars, sind sie für uns aufgeschrieben. Der Evangelist Johannes bestätigt dies: „Diese aber sind aufgeschrieben, mit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen“ (Joh 20,31).
Entscheiden wir uns heute erneut, auf die Fürbitte des Heiligen Pfarrers, zum Glauben an den Geist der Wahrheit, um so in die Gemeinschaft mit Jesus einzutreten
7.04.2026 ih

 

Aus: °Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hsg. Bernard Nodet, 1959, S.81
°²“ X.M.B*** Das innere Leben des im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars J.M. Vianney, 1867, S.137