„Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.“ Mt 2,2f
„Wenn ich nicht Priester gewesen wäre, hätte ich nie gewusst, was die Sünde ist.“
° Pfr. von Ars
Erschrecken befällt Menschen, wenn Gottes Wirken, ein Engel Gottes oder aber Gottes Sohn selbst konkret erfahrbar wird. „Fürchte dich nicht, Maria“ (Lk 1,30). Diese Worte des Engels schenkten Maria Vertrauen. „Fürchtet euch nicht“ (Lk 2,10). Auch die Hirten fassten auf dieses Wort des Engels hin Mut und wurden offen für die Botschaft Gottes.
Anders aber die Reaktion des Herodes und von ganz Jerusalem. Sie erschraken und öffneten sich nicht der Botschaft. Herodes versuchte, mit List und Tücke den angekündigten neuen König aus dem Leben zu beseitigen. Sein ganzes Leben war geprägt vom Erhalt seiner Macht über Morde hinweg auch in der eigenen Familie.
Es wäre aber zu einfach, Herodes zu verurteilen und sich auf die Seite der Weisen aus dem Morgenland zu stellen, um den Herrn anzubeten. Herodes zeigt uns in aller Konsequenz, was Sünde in dieser Welt bewirkt. Dann gilt eben nur noch das eigene Ich und die eigenen Interessen, ganz gleich um welchen Preis.
„Der heilige Pfarrer von Ars hat einmal bekannt, dass er erst reichlich spät in seinem Leben dazu kam, das Böse zu entdecken, und dass er es erst fand, als er genau hinsah, wie die Menschen lebten. Dies war für ihn eine ganz schaudervolle Entdeckung; je mehr sie ihm in ihrem ganzen Umfang deutlich wurde, desto tiefer, unheilbarer war die Wunde, die sie hinterließ… Das Böse ist der Hass. Darüber hinaus ist das Böse der Blick eines Wesens auf ein anderes Wesen, in dem die Liebe keinen Platz hat… Das Böse ist der Mensch, der jedes göttliche Eingreifen in die Ordnung seines Lebens ablehnt. Das Böse besteht darin, Gott und seine Liebe nicht anzunehmen.“ °²
Aus diesen Überlegungen von Fabrègues in seinem Buch über den Pfarrer von Ars wird deutlich, dass wir in Herodes auch die eigene Sünde und das Böse in uns erkennen können. Wie oft sind wir von Eigeninteressen geleitet und übersehen dabei die Liebe für den Nächsten und sind dabei auch noch der Überzeugung, den Willen Gottes zu erfüllen? Im Licht des Heiligen Geistes erkennen wir immer tiefer die Abgründe des Bösen im eigenen Herzen - und sind erschüttert. Dann besteht die Gefahr, sich vor dem Herrn zu verstecken wie Adam und Eva nach dem Sündenfall oder aber auf Listen zurückzugreifen wie Herodes, um scheinbar sein Leben zu retten. Maria und die Hirten auf dem Feld sind einen anderen Weg gegangen. Sie haben sich ganz Gott ausgeliefert im Vertrauen, dass Gott immer Pläne des Heils hat, selbst wenn sie mit Schmerzen und Bedrängnis verbunden sind.
Auch der Pfarrer von Ars hat dies gelebt und musste erfahren, dass gerade er in der Reinheit seines Herzens Angriffen des Bösen in Menschen ausgesetzt war. Fabrégues schildert in seinem Buch, dass beinahe jeden Abend achtzehn Monate lang ein Mädchen aus dem Dorf vor dem Pfarrhaus erschien, um den Pfarrer Vianney zu beschimpfen, weil er der Vater eines im Nachbarhaus geborenen Kindes sei.°³ Dies war wohl die qualvollste Zeit für Vianney in Ars überhaupt. Es bleibt ein Mysterium des Bösen, warum gerade Menschen in tiefer Gottverbundenheit in derartiger Weise angegriffen werden. Aber auch in dieser schwierigen Situation hat er sich in all seiner Schwachheit und seinem Leiden dem Herrn und der Mutter Maria anvertraut.
Bitten wir den Heiligen Geist um Mut, die eigenen Tiefen des Bösen in uns zu erkennen und dann nicht davonzulaufen, sondern im Vertrauen uns an das Herz Jesu zu werfen. Er führt uns weiter. Der Heilige Pfarrer ist dabei ganz bestimmt an unserer Seite.
5.12.2025 ih
° Aus: °Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S. 179
°²Jean de Fabrègues, J. M. Vianney, Der Zeuge von Ars, 19567, S.127f
°³ ebenda S.129f
