„Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern … ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ Mt 28,19f
„Könnte ich doch alle Menschen einzig damit beschäftigt sehen, dich im Innern ihrer Seele zu lieben, während sie äußerlich damit beschäftigt sind, ihre Pflichten zu erfüllen.“ °Pfr. von Ars
Die letzten Worte Jesu im Matthäus-Evangelium sind Sein Testament an die elf Jünger, alle Völker zu Seinen Jüngern zu machen. Unfassbar! Elf Männern einen Auftrag für alle Völker zu erteilen! Sie haben mit all ihren Kräften diesen Auftrag angenommen. Aber was sind menschliche Kräfte einzelner für die ganze Welt?
Entscheidend ist die Zusage Jesu, bei ihnen zu sein alle Tage bis zum Ende der Welt. Jesus spricht zu allen in Seiner Nachfolge – bis heute und bis zum Ende der Welt. Wie soll das heute möglich sein? Bei Verkündigung und Taufe denken wir an die vielen Missionare weltweit.
Ein Blick in die Texte des II. Vatikanum zeigt uns das Wesentliche. Christus ist das Haupt und wir sollen Ihm gleich gestaltet werden. Dies trifft für Priester und Gläubige zu. Denn der Herr sagt: Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt viele Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun (Joh 15,5).°²
Das Wesentliche ist also die Einheit mit dem Herrn in all unserer Armseligkeit und Schwachheit, die für den Herrn kein Hindernis für Sein Wirken ist.
Einfach losgehen und predigen, ist nicht der erste Auftrag, sondern an dem je eigenen Platz verbunden mit dem Herrn zu leben.
Der Pfarrer von Ars glaubte immer Gott besser zu dienen in der Einsamkeit eines kontemplativen Klosters als in der Pfarrseelsorge in Ars. Viermal ist er aus Ars geflohen und hat jedes Mal erkannt, dass dies nicht dem Willen Gottes entspricht. So wurde er 1847 Mitglied des Dritten Ordens des hl. Franziskus statt Kapuziner in Lyon und blieb weiter in Ars.
Aus eigener schmerzlicher Erfahrung wusste er, wie schwer es ist, den Willen Gottes zu erkennen. Aber so wurde ein Ratgeber für viele Suchende. So konnte er einer jungen Frau, die sehnsüchtig danach verlangte, entgegen den Willen ihrer Eltern in einen Orden einzutreten, zunächst davon abraten. Durch diesen Schritt würde sie ihre Eltern ins Grab stürzen und am Tag ihrer Abreise würde im Haus ihrer Eltern alles drunter und drüber gehen. Die junge Frau gehorchte und war Stütze ihrer Eltern bis zu deren Tod. Erst danach trat sie in das Kloster ein, in dem sie glücklich den Weg des Heils weiterging.°4
Der Pfarrer von Ars hat schon damals die Texte des II. Vatikanum umgesetzt, die die innigste Vereinigung mit Christus besonders durch die Teilnahme an der heiligen Liturgie und dann in der Erfüllung der weltlichen Pflichten der Laien in den gewöhnlichen Lebensverhältnissen betont haben. Durch die tägliche Arbeit können die Gläubigen in der Vereinigung mit dem Herrn wachsen. Auf diesem Weg gelangen sie zu immer höherer Heiligkeit und nehmen teil an der Fruchtbarkeit des Apostolates der Kirche. So erfüllen auch Gläubige den missionarischen Auftrag Jesu.°³
Der Herr ist es, der wirkt. Wenn wir in Ihm sind, dann kann Er andere in Seine Nachfolge berufen.
Der Heilige Pfarrer von Ars wird uns helfen, in der Einheit mit dem Herrn den Willen Gottes zu erkennen und Missionare in dieser Welt zu sein.
13.04.2026 ih
Aus: °Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet,1959, S.86
°² Karl Rahner, Kleines Konzilskompendium, 1966 S.129, 392
°³ ebenda S. 392f
°4 Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars Joh. Bapt. Maria Vianney, 1863, S.231f
