7. Sonntag der Osterzeit 17.05.2026 Lesejahr A

 „Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.“
Joh 17,8f

„Wenn man an die Undankbarkeit des Menschen Gott gegenüber denkt, fühlt man sich versucht, jenseits des Meeres zu flüchten, um sie nicht zu sehen. Es ist erschreckend! Es ginge noch an, wenn der liebe Gott nicht so gut wäre! Aber er ist so gut!“ °Pfr. von Ars



Werden wir nicht stutzig, wenn der Herr nicht für die Welt bittet, sondern nur für die, die an ihn glauben? Im ersten Timotheus-Brief werden wir aufgefordert, für alle Menschen zu bitten. Denn Gott möchte, dass alle Menschen gerettet werden (1Tim 2,1-4).
Im Johannesevangelium gibt es den scheinbar unüberbrückbaren Gegensatz zwischen denen, die zu Jesus gehören und der Welt, die Jesu Wort nicht angenommen haben. Aber ist dies wirklich so? Jesus hat die Botschaft vom Reich allen verkündet und mit großen Zeichen den Auftrag Seiner Sendung bestätigt. Trotzdem lehnten Ihn die meisten Menschen, die Ihm anfangs zugejubelt hatten, ab und forderten Seine Kreuzigung. Vielleicht aus Angst, aus der Synagoge ausgestoßen zu werden? Jedenfalls haben weltliche Gedanken sie vom Herrn weggezogen. So bittet der Herr für die bei Ihm verbliebenen Jünger, in denen Er verherrlicht ist (Joh 17,10). Die Stunde Seiner Verherrlichung ist die Kreuzigung. Dies ist aber auch die Stunde der Untreue seiner Jünger. Was ist dann eigentlich Verherrlichung? Jesus bleibt dem Auftrag des Vaters treu auch in der totalen Verlassenheit. Die Hingabe Jesu an den Vater ist unbegrenzt. Dies ist die vollkommene, ewige Liebe. So wird erfahrbar, dass Gott Liebe ist. Diese Wahrheit müssen die Jünger zunächst einmal für sich selbst erfahren haben, ehe sie das an andere weitergeben können. Dies war nur möglich durch das Gebet Jesu.
So wie Jesus nicht alle Menschen mit Seiner Botschaft erreichen konnte, können das auch die Jünger nicht. Der Auftrag bleibt aber bestehen, Gottes Liebe in die Welt zu tragen. Alle, die Gottes Wort angenommen haben, sind aufgerufen im Gebet für andere einzutreten. So werden die verheerenden Folgen der Frage „bin ich der Hüter meines Bruders?“ geheilt (Gen 4,10). Das Leben des Dreifaltigen Gottes in gegenseitiger Hinwendung und Hingabe kann so wieder in diese Welt strömen.
So wie die Jünger nie vergessen haben, wieviel Welt auch in ihnen ist, dürfen auch wir uns niemals über andere erheben. Denn auch in mir, in uns ist Welt, die sich nicht Gott zuwenden will.
Der Pfarrer von Ars, der in einer stets innigeren Verbindung mit dem Herrn gelebt hat, verspürte immer intensiver den Schmerz darüber, dass Menschen nicht zu Gott gehören und auch nicht gehören wollen. Sie bleiben in der Undankbarkeit gegenüber Gottes Wohltaten und wagen auch nicht den Schritt, empfangene Güter in Liebe mit dem Nächsten zu teilen. Der zentrale Bezugspunkt bleibt das Ich und nicht das Du Gottes. Vianney hat aber nicht nur an anderen, sondern mehr noch an sich selbst gelitten. In der Nähe des Heiligen Gottes werden selbst kleinste Defizite schmerzlich erfahren.  Vianneys einzige Zuflucht in diesem inneren Leid war Gott allein: „Man weiß, dass Gott da ist“ °².
Vertrauen wir mit dem Heiligen Pfarrer auf das Gebet Jesu, damit wir niemals mutlos werden im Blick auf diese so sehr zerstörte Welt, von der auch unser Inneres nicht unberührt ist. Er ist da! Das reicht.
15.04.2026 ih

 

Aus: °Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.173
°² Joseph Vianey, Le Bienheureux Curé d’Ars, 1923, S.179