„Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta sagte zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.“ Joh 11,25ff
„Es gibt Menschen, die sich beklagen, dass sie zu viel Versuchungen, zu viel Kreuze zu tragen haben. Wenn man sie hört, könnte man glauben, dass der liebe Gott ständig mit einem Stock hinter ihnen drein ist.“ °Pfr. von Ars
Das Ringen Jesu um den Glauben der Menschen an ihn als Gottes Sohn geht wie am vergangenen Sonntag auch heute weiter. Heute heilt der Herr nicht einen Blinden, sondern holt Lazarus vom Tode zurück in das Leben, ein nie dagewesenes Ereignis. Er weiß, wie schwer es für Menschen ist, das irdische Denken zurückzulassen und im Vertrauen den Sprung auf Seine Botschaft zu wagen, dass Er Gottes Sohn ist, der gekommen ist, um das Leben der gefallenen Menschheit neu zu schenken. Seine große Geduld zeigt uns Sein Gespräch mit Marta, die Er Schritt für Schritt führt, bis zu ihrem Bekenntnis: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes...“
Dieses Bekenntnis ist eine freie Entscheidung für den Herrn, der sich so viele verweigern. Wenn einige sagen, „Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb (Joh 11,37)“, so verrät das doch eine geradezu magische Denkweise. Wenn doch der Herr schon solche Vollmacht hat, kann er alles andere Leid auch wegnehmen. Aber genau das ist nicht der Auftrag Jesu. Seine Zeichen dienen nicht der Errichtung eines irdischen Paradieses, sondern sind Hilfen für den Glauben an das ewige Leben in Ihm.
Jesus lässt den Menschen die Freiheit der Entscheidung für oder gegen Ihn. Am Ende des Evangeliums erfahren wir, dass viele Juden zum Glauben kamen. Verschwiegen wird aber heute, wie der Text weitergeht: „Aber einige von ihnen gingen zu den Pharisäern und sagten ihnen, was er getan hatte (Joh 11,46).“ Genau dies führt zum Todesbeschluss der Hohenpriester und Pharisäer gegen den Herrn, und das wussten diejenigen genau, die dieses Ereignis weitergetragen haben. Es geht um Tod oder Leben.
Was bedeutet das nun für uns, die wir jeden Sonntag im Glaubensbekenntnis die Gottessohnschaft Jesu Christi neu bestätigen?
Beim Heiligen Pfarrer lernen wir, wie ein solcher Glaube das ganze Leben prägen kann. Schmerzlich stellt er fest, dass Christen sich über zu viele Kreuze klagen, obwohl doch die Annahme der Kreuze ein Weg zum ewigen Leben ist. Er scheut sich auch nicht vor der drastischen Aussage, dass sie den Anschein erwecken, als ob der liebe Gott ständig mit einem Stock hinter ihnen her ist.
Vianney hatte in der ersten Zeit viele Demütigungen und Beschimpfungen zu erdulden und hat einmal seinem Bischof einen Brief schreiben wollen, um dagegen geschützt zu werden. Als der Brief fertig war bis auf die Unterschrift, sagte er: „Nein... es ist heute Freitag, der Tag, an dem der Herr sein Kreuz getragen. Ich muss das Meinige auch tragen wollen…“°².
Im Dunkel der Bedrängnisse hat der Pfarrer von Ars an die Auferstehung geglaubt, die in der Annahme des Leidens geschieht.
Im Dunkel sind auch wir, wenn alle unsere Bemühungen der Glaubensweitergabe an Kinder und Enkel scheinbar nicht gelungen sind, die Kirchen immer leerer werden und sogar Wortgottesdienste einer Heiligen Messe sonntags vorgezogen werden. Dann mit Maria unter dem Kreuz Jesu stehen und weiter glauben, dass Jesus uns durch dieses Dunkel zum Leben führt, das ist Glauben. Marta hat diesen Schritt gewagt. Ebenso auch der Pfarrer von Ars und alle Heiligen. Vertrauen wir auf ihre Hilfe und Fürsprache, dass wir in unserem Dunkel den Weg zum Leben weitergehen. Es werden dann andere folgen, auch wenn wir dies nicht sehen.
9.02.2026 ih
Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.212
°² Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars, Joh. Bapt. Maria Vianney, 1863, 2. Bd. S. 455.
