„Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden… ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ Joh 10,9f
„Oh! Gott mache, dass alle Pfarrer ausnahmslos sich den verehrungswürdigen Vianney zum Beispiel nehmen; dass sie in seiner Schule diese bewundernswürdige Frömmigkeit gegenüber Gott lernen, deren schweigende Beredsamkeit anzieht und so begeistert, dass kein Wortschwall, keine übermäßigen Reden damit vergleichbar sein könnten.“° Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse 21.02.1904, Papst Pius X.
Die Botschaft Jesu am heutigen Sonntag des Guten Hirten ist ein großes Geschenk und eine Herausforderung an unserem Glauben zugleich. Er ist die Tür. Nur wer durch Ihn in den Schafstall geht, wird gerettet werden. Alle vor ihm sind Diebe und Räuber. Und der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Der Herr aber ist gekommen, damit die Schafe das Leben in Fülle haben.
Jesus allein ist der Erlöser und Retter der Welt. Bei dieser absoluten Aussage sind wir angefragt, uns für Ihn allein zu entscheiden, wenn wir das Leben in Fülle ersehnen.
Noch so viele Argumente können uns nicht zum Glauben an Jesus als einzigen Retter bringen. Nur in der Begegnung mit Ihm allein können wir zu der Gewissheit kommen, dass diese Worte Leben sind.
Der Herr überrumpelt uns nicht. Er wartet. „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn einer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und Mahl mit ihm halten und er mit mir“ (Off 3,20).
Es liegt also an uns, die Tür unseres Herzens zu öffnen und den Herrn, der selbst die Tür ist, einzulassen. In der Erfahrung der Einheit mit Ihm brauchen wir keine Argumente mehr. Wir wissen dann, dass der Herr für uns das Leben in Fülle ist.
Genau diese innere Einheit mit Gott ist die Voraussetzung für alle Priester, gute Hirten für die Gläubigen zu sein. Dies wurde in wunderbarer Weise durch die Kongregation für die Selig– und Heiligsprechungsprozesse unter Papst Pius X. für Vianney festgestellt. Interessant ist, dass Pius X. am 4. August 1903, dem 44.Todestag Vianneys, zum Papst gewählt wurde.
Hervorgehoben wurden nicht die großartigen Bekehrungen, Wunder und karitativen Initiativen Vianneys, sondern seine Beziehung zu Gott, die schweigend beredter war als alle Worte.
Wenn das Hirtenamt auch in besonderer Weise den Priestern übertragen wurde, so sind auch die Gläubigen kraft ihres allgemeinen Priestertums aufgerufen, für ihren Nächsten Hirten zu sein, die ihn in den Schafstall des Herrn führen. Denn nur dort wird es das Leben in Fülle in alle Ewigkeit geben.
Wie viele Aktionen wurden schon initiiert, um den Glauben wiederzubeleben, um Menschen von der Schönheit der Kirche zu überzeugen! Wie viel Frustration gibt es in unserer Kirche bei all diesen gescheiterten Vorhaben!
Die Worte der Kongregation für die Selig– und Heiligsprechungsprozesse zeigen den entscheidenden Weg. Wenn wir in tiefer Verbindung und Hingabe zu Gott leben, werden wir verwandelt und bringen Gottes Gegenwart in diese Welt. So können Menschen ohne Worte berührt werden durch den Herrn, dem wir die Tür unseres Herzens geöffnet haben.
„Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,14), waren die ersten Worte Jesu bei Seinem öffentlichen Auftreten. Diese Worte bleiben wegweisend für jede Neuevangelisierung. Sie muss zuerst in mir beginnen. Auch wenn wir unmittelbar keine Früchte sehen, dürfen wir in festem Glauben vertrauen, dass der Herr durch uns wirkt. Dieses Vertrauen, dieser Glaube hat auch den Heiligen Pfarrer immer wieder vor der Verzweiflung gerettet. Gott ist treu in Seinem Wort.
Öffnen wir auf die Fürsprache unseres Heiligen Pfarrers dem Herrn die Tür, damit Er für immer in uns bleibe und so auch andere Ihn als die einzige Tür zum Heil finden können.
22.03.2026 ih
Aus: Joseph Vianey, Le Bienheureux Curé d’Ars, 1923, S.198, übersetzt ih
