29. Sonntag im Jahreskreis 18.10.2026 Lesejahr A

„Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum versucht ihr mich?“
Mt 22,18

„Man muss nur für Gott handeln, unsere Werke in seine Hände legen. Beim Erwachen muss man sagen: ich will heute für dich mein Gott arbeiten! Ich unterwerfe mich allem, was du mir senden wirst, als käme es von dir. Ich biete mich dir als Opfer an. Aber ohne dich kann ich nichts; hilf mir!“ ° Pfr. von Ars

Wie sehr muss Jesus gelitten haben, wenn Er immer wieder den hinterlistigen, bösen Absichten der Pharisäer ausgesetzt war! So schleudert Er ihnen das Wort Heuchler entgegen, selbst wenn Er weiß, dass dies ihre Bosheit noch verstärken wird. Am Ölberg wird Er auch diesen Schmerz dem Vater schenken mit der flehentlichen Bitte, diesen Kelch von Ihm wegzunehmen. Er hat also nicht Seine göttliche Kraft in das Erlösungsleiden mit hineingenommen, sondern ist ganz als Mensch in die Tiefe der Bosheit hinuntergestiegen.
Jesus möchte den Menschen aus seiner Verhaftung mit allem Widergöttlichen herausreißen, um ihn in das Reich des Vaters zu führen. Dafür ist Er bereit, jeden Preis zu zahlen.
So lässt sich der Herr nicht in die Diskussion mit hineinreißen, ob es mit dem Glauben vereinbar ist, Steuern mit Bild und Aufschrift des Kaisers zu zahlen. Er lenkt über diese Auseinandersetzungen sofort den Blick auf Gott. Dazu gehört, irdische Aufgaben zu erfüllen und dem Kaiser Steuern zu zahlen, aber noch mehr, Gott zu geben, was Gott gehört.
Wenn das Leben für Gott von entscheidender Bedeutung ist, gehört dazu auch die Erfüllung irdischer Pflichten. Besteht nicht oft die Gefahr, geistliches und weltliches Leben zu trennen? Genau diese Grenzen überwindet der Herr durch Sein eigenes Leben. Alles was wir tun, soll der Ehre Gottes dienen.
Adam musste nach dem Sündenfall hören, dass der Erdboden seinetwegen verflucht ist und er unter Mühsal alle Tage seines Lebens von ihm essen wird (Gen 3,17). Christus hat daraus eine Verheißung gemacht. Die Mühen täglicher Arbeit und Sorgen sind zu einem Weg zurück zu Gott geworden. Jesus selbst hat bis zu Seinem öffentlichen Auftreten in der Werkstatt Josefs als Zimmermann gearbeitet. Eng mit der Arbeit verbunden sind auch alle finanziellen Angelegenheiten, die in großer Genauigkeit erledigt werden müssen.
Der Heilige Pfarrer war ein Meister, die Einheit von geistlichen und weltlichen Leben zu lehren und in seiner Gemeinde wieder herzustellen. Seine ersten Predigten zeugen davon, wie sehr er alle Unehrlichkeit im Kauf und Verkauf in der Gemeinde mit scharfen Worten geißelt.
„Die wissen genau, dass sie Böses tun und dass ihnen Gott nicht verzeihen wird, wenn sie dem, dem sie Unrecht taten, das Gestohlene nicht wiedererstatten. Alles, was ich ihnen sagen würde, würde sie nur noch schuldiger machen.“ °²
Auch wenn die Predigten die Gläubigen sicherlich schockierten, so milderte die Liebe des Pfarrers für seine Gemeinde die Schärfe seiner Aussagen und öffnete die Herzen für seine Worte. Trochu berichtet in seiner Biografie ausführlich über die Wandlung der Pfarrei. Während früher Betrug und Diebstahl an der Tagesordnung war, hatten die Menschen erkannt, dass in der Ehrlichkeit der Segen Gottes auf sie herabfließt. „Nie wird man die Bekehrungsgnaden abschätzen können, schreibt Katharina Lassagne, die der Pfarrer durch sein Gebet, vor allem durch die Darbringung des hl. Opfers erwirkt hat … Eine Umwälzung war in den Herzen vorgegangen … Der Gnadenstrom war so überwältigend, dass nur wenige widerstehen konnten … In einer Ansprache gestand ihnen der Pfarrer: Ars ist nicht mehr Ars … Das war im Jahre 1827.“ °³
In dem Dorf war Frieden, Ehrlichkeit und Freude eingetreten.
Schauen wir auf uns selbst! Wie oft trennen wir Irdisches und Himmlisches! Die Einheit von beidem können wir bei Vianney lernen. Auch alles Irdische soll uns bis ins Kleinste zu Gott führen. Leben wir mit dem Heiligen Pfarrer unseren Alltag hin auf Gott!
16.09.2026 ih
°Aus: °Abbé Monnin, Esprit du Curé d’Ars, Neuausgabe 2007, S47, übersetzt ich
°² Predigten Briefe Leben des Heiligen Pfarrers von Ars 1959, S. 60f
°³ Francis Trochu, der Pfarrer von Ars, 2001, S. 189f