26. Sonntag im Jahreskreis 27.09.2026 Lesejahr A

„Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.“ Mt 21,31

„Es ist nicht der Sünder, der zu Gott zurückkehrt, um ihn um Verzeihung zu bitten, sondern Gott selber ist es, der hinter dem Sünder herläuft und ihn zu sich zurückführt.“ ° Pfr. von Ars

Angekommen in Jerusalem, wo der Tod am Kreuz auf Ihn wartet, konfrontiert der Herr noch einmal deutlich die Pharisäer mit ihrer Halsstarrigkeit und ihrer Weigerung zur Umkehr. Seine harten Worte wollen nicht verletzen und nicht angreifen, sondern den Pharisäern Gelegenheit geben, sich selbst im Spiegel der Wahrheit Gottes zu sehen. Vor Gott hören alle falschen Versuche der Selbstentschuldigung auf. In Seinem Licht ist das Gute vom Bösen deutlich zu unterscheiden. Jesus weiß, dass Seine Zeit auf Erden bald zu Ende geht. Er wird auch für die Pharisäer und alle halsstarrigen Menschen sterben. Bis zum letzten Augenblick ringt er um die Umkehr aller, damit auch sie in die ewige Herrlichkeit beim Vater gelangen können.
Matthäus gehörte als Zöllner ebenfalls zur Gruppe der Verachteten und Ausgestoßenen bei den Pharisäern. Er hat die Befreiung durch Reue und völlige Umkehr erfahren. Diese heilende Botschaft Christi will er mit allen Menschen, die Pharisäer eingeschlossen, teilen.
Für den Heiligen Pfarrer waren nicht die Schwächen und die verschiedensten Sünden des Menschen das eigentliche Hindernis auf dem Weg zum Herrn, sondern der Stolz in all seinen Formen, die Überzeugung, dass Umkehr nicht notwendig ist.
Monnin berichtet: „Wir erinnern uns einer Frau, welche von Unglück und Schuldbewusstsein nach Ars getrieben war, die aber mehr litt wegen erduldeter Demütigungen als an Reue über ihre Sünden. Diese Frau wunderte sich, in dem Pfarrer von Ars nicht jene Freundlichkeit zu finden, die man doch so sehr von ihm rühmte, und sie beklagte sich darüber eines Tages. ‚Ich fühle, … dass ich diesem heiligen Priester ein Abscheu bin‘. Man antwortete ihr: ‚Nein, das nicht; aber er entdeckt sicherlich in Ihnen etwas, was ihm nicht gefällt, und das ist Ihr Stolz, den er fühlt und im Inneren liest…. Demütigen Sie sich, erstreben Sie Reue…“… Sie befolgte den Rat, und als sie nun wieder zu Vianney kam, fand auch sie bei ihm die innigste Teilnahme für ihr Unglück, die reichsten Schätze zuvorkommender Freundlichkeit und ein Herz, das ganz der göttlichen Barmherzigkeit gleichförmig war.“°²
Was für die Pharisäer gilt, gilt für uns heute ebenso. Begnügen wir uns nicht mit unseren Glaubensleben, sondern stellen wir uns immer wieder in ehrlicher Suche in das Licht des Herrn, damit Er uns weiterleite und täglich neu zu Reue und Umkehr führe. Gerade auch bei einer guten Beziehung zum Herrn, schleichen sich immer wieder eine gewisse Selbstzufriedenheit und Fehlentwicklungen ein, die nicht dem Willen des Herrn entsprechen. Gerade sie sind besonders schwer zu erkennen. Die Pharisäer haben nach ihrer Überzeugung alle Gebote gehalten und doch übersehen, dass das Wesentliche die Erkenntnis der Größe Gottes und der eigenen Bedürftigkeit Seiner Barmherzigkeit ist. Da helfen keine sanften Worte mehr. Die Härte der Worte Jesu entspringen Seiner tiefen Liebe, die durch das Kreuz gehen wird.
Diese Worte der Korrektur erhalten wir manchmal durch Mitmenschen und wir sind verletzt. Eilen wir gerade in solchen Situationen mit dem Pfarrer von Ars zum Herrn und lassen uns durch den Schmerz der Demütigung und Reue wieder neu in die Spur Seiner Nachfolge führen.
18.08.2026 ih
Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.161
°²Alfred Monnin: Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars, Joh. Bapt. Maria Vianney, 1863, 2. Bd. S.264