24. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr A 13.08.2026

„Hättest nicht auch du mit deinem mit Knecht Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?“ Mt 18,33

„Der liebe Gott wird nur denen verzeihen, die verziehen haben: das ist die Regel.“ °Pfr. von Ars


„Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe“, waren Jesu erste Worte der Verkündigung (Mt 4,17). All Sein weiteres Handeln und Lehren zeigen konkret den Weg der Umkehr, den Weg von der Hartherzigkeit des Menschen zur Barmherzigkeit Gottes.
Oft haben wir schon das Evangelium über den unbarmherzigen Knecht gehört, dem der Herr zehntausend Talente Schulden erlassen hatte, während er seinem Mitknechten nicht einmal einen Schuldenerlass von hundert Denaren gewährte. Klar ist, dass der Unterschied der Schulden groß ist, aber wie groß denn wirklich? Seine eigenen Schulden von zehntausend Talenten entsprechen berechnet nach dem Einkommen heute 3-12 Milliarden Euro, die Schulden seines Mitknechtes 10 000 €. Die völlig unrealistischen Zahlen machen wieder einmal mehr durch die Überzeichnung in den Gleichnissen deutlich, dass Jesus uns etwas ganz besonders Wichtiges ans Herz legen will.
Aber ist das nur die Warnung vor Geiz und Hartherzigkeit oder doch noch mehr?
Dem Knecht wurden zwar die nie bezahlbaren Schulden erlassen. Aber damit hat er dennoch kein Geld. Wenn er nun auf 10.000 € verzichten soll, ist er weiterhin in großer finanzieller Bedrängnis. Das rechtfertigt zwar nicht seine unbarmherzige Reaktion dem Mitknechten gegenüber, offenbart jedoch viel von seiner existenziellen Angst, den Unterhalt für seine Familie nicht sichern zu können.
In solchen menschlich unlösbaren Situationen zeigt Jesus den Weg der Rettung auf. Das ist der Blick auf den Vater, der auch bei völliger Aussichtslosigkeit Hilfe schenken kann und wird, wenn der Mensch Ihm Vertrauen entgegenbringt. Die unbegrenzte Barmherzigkeit des Vaters wartet auf das unbegrenzte Vertrauen des Menschen – immer. Er hat eine Lösung, sodass der Mensch nicht selbst sein Recht einfordern muss, sondern wie der Vater voll Erbarmen dem Mitmenschen gegenüber sein kann.
Der Pfarrer von Ars hat auch dies in vorbildlicher Weise gelebt. „Ein Mädchen, das in der Vorsehung (Providence) erzogen und entlassen worden war, stahl dort Wäsche und nahm Geld aus der Sakristei, während Vianney Beichte hörte. Sie wurde ertappt und eingesperrt. Man hatte sich bei dem Heiligen erkundigt, der alles tat, um das entgleiste Mädchen vor der entehrenden Strafe zu bewahren. Nach ihrer Entlassung warf sie sich ihrem Wohltäter zu Füßen. Er nahm sich ihrer an und verschaffte ihr Kleidung und Unterstützung.“
Vianney hatte kein Geld, was für ihn selbst ohne Bedeutung war. Aber er dachte an die Kinder in der Providence, die er versorgen musste. So schrieb er einen flehentlichen Bittbrief an Herrn Laporte “… Ich habe gedacht, dass Sie vielleicht die Güte hätten, mir ein wenig zu helfen, damit ich weiterhin meine Kinder behalten darf.“
Für ihn ging es ebenfalls um die ganze Existenz, nicht um seine eigene, sondern um die seiner ihm anvertrauten Kinder. Und sein Vertrauen wurde belohnt. In einem rührenden Brief dankt er Herrn Laporte für seine große Mildtätigkeit für seine armen Kinder: „Ich glaube, dies wird für Sie der Anlass zu reichem Segen sein, den der liebe Gott, der so gut ist, über Sie, ihre verehrte Gemahlin, ihr Töchterchen und ihr Geschäft ausgießen wird… Ich wünsche sehr, wir könnten uns eines Tages im Himmel wiedersehen.“°²
Vom Himmel her hat Vianney auf jede Notsituation geschaut, sodass durch ihn das Erbarmen Gottes für die Menschen erfahrbar wurde.
Barmherzigkeit in unbegrenztem Maße ist nur möglich, wenn wir uns in völligem Vertrauen Gott überlassen. Mit eigener Arbeit, eigenen Kräften geraten wir sehr schnell an die Grenzen mit der Gefahr, nur noch unseren eigenen Vorteil zu sehen und unbarmherzig zu werden.
Jesus möchte uns in die Vollkommenheit und Heiligkeit des Vaters zurückführen. Er kennt unsere Schwachheit und nimmt sich unser immer an, wenn wir uns mit unserem Heiligen Pfarrer voller Vertrauen hinwenden und Ihm alles überlassen.
4.08.2026 ih
Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S. 165
°²Predigten Briefe Leben des heiligen Pfarrers von Ars, 1959, S. 225f