„Ich aber sage dir: Du bist Petrus – der Fels – und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ Mt 16,18
„Das Herz der Heiligen ist sicher und ruhig, wie ein Felsen inmitten des Meeres.“° Pfr. von Ars
Gott ist der Fels. So preist der Psalmist Gott: „Herr, du mein Fels, meine Burg und mein Retter; mein Gott, mein Fels, bei dem ich mich berge“ (Ps 18,3). Er übernimmt die Grunderfahrung der Israeliten, die Gott immer wieder als Fels, der ihnen Schutz bietet, erkennen.
Jetzt bezeichnet Christus Petrus als den Felsen, auf dem er Seine Kirche bauen will mit der ungeheuren Zusage, dass die Pforten der Unterwelt sie nicht überwältigen werden. Diese Stelle haben wir schon so oft gehört, dass wir die Gewaltigkeit dieser Worte kaum noch wahrnehmen: ein Mensch als Fels, unfassbar!
Petrus zeigt seine Festigkeit gleich danach bei der Ankündigung des Herrn von Seinem Leiden und Seiner Auferstehung. Da tritt er dem Herrn entgegen und weist ihn zurecht. Ungeheuerlich! Wie selten passiert es, dass ein Mensch seinem Chef offen entgegentritt. Da werden Nachteile für sich selbst befürchtet, sodass das Schweigen bevorzugt wird. Und Petrus erfährt eine gewaltige Abfuhr: „Tritt hinter mich, du Satan“ (Mt 16, 21ff).
Petrus hat einen Fels-Charakter, aber nach seinen Vorstellungen und seinem Willen. Aber dieser Fels muss erst umgewandelt werden zu einem wahrhaften Felsen Christi. Dies geschieht beim Tod des Herrn: „…der Vorhang riss im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich (Mt 27,51“. Alle Verhärtungen des Menschen, die dem Willen Gottes entgegenstehen, müssen erst aufgebrochen werden, sodass die gute Anlage der Festigkeit zum Tragen kommt. Petrus erfährt dies durch unter Scheitern, Enttäuschungen und Tränen. Im Nachhinein kann er lehren: „Und die Geduld unseres Herrn betrachtet als eure Rettung (2 Petr 3,15)“.
Der Heilige Pfarrer hat erkannt, dass das Herz der Heiligen in großer Ruhe wie ein Fels inmitten des Meeres ist. Er hatte einen heftigen Charakter und wurde auf vielfältige Weise bedrängt. Aber mit der Gnade Gottes und seinem Mitwirken in Gebet und Askese blieb er auch in den turbulentesten Umständen in großer Ruhe. Der Weg dorthin war die Einübung des Verzichtes auf den eigenen Willen, damit Gottes Wille herrschen kann.
Toccanier, Vikar von Ars, berichtet, dass Vianney ihm gegenüber öfters von seinen Schwierigkeiten erzählt hat, abends völlig erschöpft von seinem Dienst noch das Brevier zu beten. Er glaubte sich verpflichtet, dem Bischof dies zu berichten, der ihm folgenden Brief schrieb:
„Mein guter Freund, Ich erfahre mit großer Sorge von dem Gesundheitszustand unseres guten Pfarrers. Ich verbiete ihm das Breviergebet jedes Mal, wenn Sie es ihm nicht erlauben. Ich werde es in seinem Namen ebenso wie in meinem eigenen beten und er wird Gott seine Leiden in meiner Intention anbieten…“
Toccanier hat dies Vianney mitgeteilt und mit Bewunderung gesehen, mit welcher Leichtigkeit der Heilige Pfarrer sich fügte, wenn er von dieser bischöflichen Erlaubnis Gebrauch gemacht hat. °²
Schauen wir auf uns selbst. Wir haben gute Fähigkeiten. Aber auch sie müssen erst befreit werden von unserem Eigenwillen und ganz hineingefügt in Gottes Willen. Die große Geduld Gottes macht dies möglich, wenn wir täglich neu dem Herrn unsere Umwandlung erlauben.
So kann jeder Gläubige Anteil am Fels Petri haben, auf den die Kirche gebaut ist. Der Heilige Pfarrer, der diesen Weg konsequent gegangen ist, bittet für uns ohne Unterlass, denn jetzt trifft ihn keine Ermüdung mehr.
14.07.2026 ih
Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.83
°² Bernard Nodet, Le Curé d’Ars par ceux qui l’ont connu; 1994, S. 188f, übersetzt ih
