20. Sonntag im Jahreskreis 16.08.2026 Lesejahr A

„Hab Erbarmen mit mir, Herr, Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. Jesus aber gab er keine Antwort.“ Mt 15,22f

„Während seines langen Lebens tat er seinen Mund nur auf, um zu trösten, sein Herz, um die Leiden anderer darein zu verschließen, und seine Hand, um Almosen und Segen zu spenden.“ °über den Pfr. von Ars

Jesus schweigt. Auf eine Bitte um Hilfe in tiefstem Leid reagiert er nicht. Schon so viele hat er geheilt! Was ist nun? Seine Sendung nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel, war Sein Auftrag.
Vor der Begegnung mit der kanaanäischen Frau hatte Jesus eine große Auseinandersetzung mit den Pharisäern und Schriftgelehrten, denen er vorwarf, dass sie Gott nur mit den Lippen ehren, ihr Herz aber weit weg sei und sie blinde Blindenführer seien. Auch die Jünger waren durch diese harten Worte irritiert und wiesen den Herrn auf die Empörung der Pharisäer hin.
(Mt 15,1ff).
Jesus zieht sich in das Gebiet von Tyrus und Sidon zum eigenen Schutz zurück. Er hört die Bitte der Frau und sieht ihre Not. Sein Ruf hat sich also bereits bis ins heidnische Gebiet verbreitet. Aber Er möchte nicht als magischer Wunderheiler angesehen werden. Er sucht die Herzen der Menschen, die sich aufrichtig Gott zuwenden. Auch in Kafarnaum hatte Er schon auf die Bitte des römischen Hauptmanns den kranken Knecht geheilt und staunte über den Glauben dieses Mannes, den Er in Israel noch bei niemanden gefunden hatte. Dies hat Konsequenzen: „Ich sage euch: viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; aber die Söhne des Reiches werden hinausgeworfen werden in die äußerste Finsternis“ (Mt 8,5ff). Das Reich Gottes wird also über Israel hinausgetragen werden, da das eigene Volk die frohe Botschaft abgelehnt hat.
Wenn der Herr nun schweigt, so gibt Er der Frau Zeit für Gedanken über die Motivation ihrer Bitte.
So hatte Er auch gegenüber den Pharisäern und Schriftgelehrten geschwiegen, als sie die Ehebrecherin vor Ihn brachten. Ihre Hoffnung auf Verurteilung wurde nicht erfüllt. Aber auch die Sehnsucht Jesu nach ihrer Umkehr blieb ebenfalls unerfüllt. Welche Freude mag die Ehebrecherin nach langem Schweigen erfüllt haben, dass der Herr sie nicht verurteilte.
Die heidnische Frau führt der Herr auf dem Weg der Umkehr aber noch tiefer und weiter. Seine harten Worte sollen sie zu einem unerschütterlichen Glauben an Seine Macht und Güte führen.
Wie wäre denn meine Reaktion bei solchen Worten? Wut, Enttäuschung und Abkehr sind menschlich durchaus verständlich. Die Frau aber wählt den Weg der Demut und des Vertrauens. Der Lohn hierfür ist nicht nur die Heilung der Tochter, sondern die Anerkennung Jesu: „Frau, dein Glaube ist groß“ (Mt 15,28).
Würden wir nicht gerne dieses Wort Jesu auch hören? Aber der Weg ist menschlich nicht leicht. Dazu gehört auch, dass Schweigen des Herrn auszuhalten und durch Mitmenschen harte Worte hinzunehmen.
Der Heilige Pfarrer weist immer darauf hin, dass alles von Gott zugelassen ist - zu unserem Heil. Auch von ihm wird berichtet, dass er einen kranken Sünder zunächst nicht zugelassen hat, sondern warten ließ, um ihm Zeit für die Umkehr zu geben. Diese wurde dann aber vollständig erreicht°².
Vianney ist an unserer Seite, wenn wir heute uns neu für die Umkehr entscheiden und dabei dem Herrn unser Leben ganz überlassen.
9.07.2026 ih

° Aus: Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars, Joh. Bapt. Maria Vianney, 2. Bd. 1863, S.380
°²ebenda: S.260