2. Sonntag nach Weihnachten 4.01.2026 Lesejahr A

 „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.“ Joh 1,9

„Durch seine Menschheit verbirgt Gott seine Gottheit … um unseren Augen sichtbar zu werden.“
°Pfr. von Ars

 

In gewaltiger Sprache und doch im ringenden Suchen versucht der Evangelist Johannes die Menschwerdung des Gottessohnes in Worte zu fassen. Wort, Leben, Licht, Fleisch bezeichnen den Sohn des Vaters. Die Erkenntnis der Armseligkeit und Begrenztheit menschlichen Verstandes wird für jeden, der sich Christus nähern möchte, bleiben. Dieses Mysterium ist unfassbar. Und doch lassen uns die Worte des hl. Johannes wenigstens einen kleinen Blick in dieses zentrale Geheimnis unseres Glaubens werfen.
Im Dunkel der Fehlentwicklungen des Glaubens und der politischen Situation herrschten Ratlosigkeit und Ängste, die mit menschlichen Mitteln nicht zu überwinden waren. Nun aber erscheint als Hoffnungsträger der Sohn Gottes als Licht für die Menschen in der Welt. Damit erfüllt sich ein prophetisches Wort: „Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht in ihrem Lauf bis zur Mitte gelangt war, da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Thron herab“ (Weish 18,14f). In tiefster Nacht leuchtet das Licht Gottes in Seinem Sohn Jesus in dieser Welt auf. Aber die Freiheit menschlichen Willens zeigt die ganze Tragik. Das Licht leuchtet in der Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht erfasst. Erleuchtet-werden ist also nichts Passives wie das Sonnenlicht, das für Böse und Gute scheint. Der Herr möchte von allen Menschen aufgenommen werden. Aber nur denjenigen, die ihn aufnehmen, gibt er Macht, Kinder Gottes zu werden.
Wir sind so daran gewöhnt, Kinder Gottes zu heißen, dass uns manchmal nicht klar wird, was dies eigentlich bedeutet. Ein Kind gehört seinsmäßig zum Vater. Ein Mensch, der das Licht, den Gottessohn, aufnimmt, bekommt Anteil an der Gottheit des Vaters, wird Bruder oder Schwester Jesu. Angesichts der Unfassbarkeit eines solches Geschenks sind zwei Antworten möglich. Wir können in Anbetung immer wieder neu mit Dankbarkeit uns diesem Mysterium nähern oder aber es ablehnen, was auf den ersten Blick bequemer erscheint. In bitterem Schmerz erkennt Johannes, dass die Finsternis dieser Welt das Licht eben nicht erfasst und nicht aufgenommen hat. Gottes Angebot wurde von den meisten abgelehnt, was auch heute noch zutrifft. Welch ein Drama!
Aber schauen wir nicht auf andere, sondern auf uns selbst. Sind nicht auch wir versucht im Dunkel unserer Lebenskrisen über die scheinbare Abwesenheit Gottes zu klagen? Das dürfen wir auch, wie das in den Klagepsalmen geschieht. Jesus hat am Kreuz mit dem Psalm 22 sein Leid Gott geklagt: „Mein Gott warum hast du mich verlassen...“ , Im Vertrauen auf den Vater endet dieser Psalm in einem Jubel. Denn Gott hat gehört, als Er zu ihm schrie. Aber nicht durch eine Abnahme Jesu vom Kreuz, sondern in der Vollendung des Heilsplanes Gottes am Kreuz. So ist das Licht in Fülle in diese Welt eingeströmt – für immer.
Matthäus beschreibt, dass beim Tod Jesu der Vorhang des Tempels von oben bis unten entzweiriss, ein Bild, dass der Zugang des Menschen zum Vater wieder offen ist. Die Gräber öffneten sich und die Leiber vieler Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt. Diese Ereignisse führten den Hauptmann und die Männer, die mit ihm zusammen Jesus bewachten, zu der Erkenntnis: Wahrhaftig, Gottes Sohn war dieser (Mt 27,51ff). Also öffneten sich Heiden als erste dem Licht Gottes, das von Anfang an für alle Menschen bestimmt war.
Auch der Pfarrer von Ars kannte die Dunkelheit, den Schmerz von Gott scheinbar verlassen zu sein. Aber immer wieder war seine Antwort ein Akt des Vertrauens, der Hingabe. In vielen Nächten musste er die Angriffe des Grappin in furchterregender Weise durchleiden. Schließlich aber lernte er, dass diese dunklen Nächte der Durchbruch sind für das Licht zur Umkehr für jahrelang verhärtete Sünder. Und er dankte dafür.
Dunkelheit bleibt auch uns nicht erspart. Gehen wir mit dem hl. Johannes und mit dem Heiligen Pfarrer an unserer Seite in dieses Jahr. Sie werden uns in den dunkelsten Momenten an den Akt des Vertrauens erinnern, den nur wir alleine sprechen können, aber durch den das Licht für uns und andere wieder aufleuchtet.
3.12.2026 ih
° Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S. 57