„Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten ihm: Ja.“ Mt 13,51
„Er las noch im Bett, bis er vom Schlaf überwältigt wurde.“ °über Pfr. von Ars
War das Ja der Jünger nicht doch etwas vorschnell? Sicher waren sie davon überzeugt, dass sie Jesu Worte verstanden haben. Ihr weiterer Weg zeigt jedoch, dass sie erst nach und nach immer mehr in das Geheimnis des Himmelreiches eintreten konnten - durch viele Fehler hindurch.
Petrus wagte sogar Seinen Herrn und Meister zurechtzuweisen bei der Ankündigung Seiner kommenden Leiden, sodass Jesus ihn hart zurückweist: „Tritt hinter mich, du Satan! Ein Ärgernis bist du mir, denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ (Mt 16,22f) Genau das ist das zentrale Missverständnis, die eigenen Gedanken für den Willen Gottes zu halten. Dieses Problem begleitet die Kirche von Anfang an bis heute und begleitet auch jeden von uns auf seinem Weg mit dem Herrn.
Jesus hat die Schwäche Seiner Jünger gekannt. Er kennt auch die Schwäche aller in Seiner Kirche angefangen von Papst, Bischöfen, Priestern bis hin zu den Gläubigen. Aber er tauscht nicht einfach Personen aus, wie das in der Welt regelmäßig geschieht. In großer Geduld geht Er Schritt für Schritt mit jedem einzelnen mit und führt ihn aus falschen Gedanken und Handeln heraus immer wieder neu in die Spur Seiner Nachfolge. So waren die Jünger zuletzt fähig zum vollkommenen Zeugnis für ihren Herrn durch Hingabe ihres Lebens im Martyrium oder aber in der Verbannung wie Johannes der Evangelist.
Der Herr zeigt nach dem kraftvollen Ja der Jünger den Weg, wie diese ständige Korrektur im Leben gelingen kann, wenn Er darauf hinweist, dass jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausherrn gleicht, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorgeholt (Mt 13,52). Der Evangelist Matthäus knüpft ganz bewusst in seinem Evangelium an das Alte Testament an, in dem Jesus und Sein Wirken durch die Propheten vorausverkündigt wurden. Aber zum Alten kommt das Neue, und das ist Jesus Christus selbst, der Sohn Gottes, der durch Sein Leiden, Tod und Auferstehung der Welt neu den Zugang zum Himmelreich geschenkt hat. Genau das ist menschlich nicht zu verstehen. Warum ist das Leid notwendig? Warum muss ich am Leid teilhaben. Die Versuche, am Leiden vorbei dem Herrn nachzufolgen, sind vielfältig, führen aber immer vom Herrn weg.
Der Heilige Pfarrer ist uns ein treuer Wegweiser in der Nachfolge Jesu. Oft wird der Blick auf seine außergewöhnlichen Charismen gelenkt, die Heilungen, die Herzensschau, die prophetische Gaben. Aber wesentlich zentraler ist seine Lektüre der Heiligen Schrift. Vianney wird oft als ungebildet hingestellt, weil seine Schulausbildung wegen der Folgen der Französischen Revolution sehr mangelhaft war. Er verfügte aber über eine große Bibliothek von 418 Büchern, nicht gerechnet die Bücher, die er immer wieder auch verschenkte. Das war in der damaligen Zeit für einen Landpfarrer außergewöhnlich. Er besaß allein das Alte und das Neue Testament in fünfzehn Bänden. Er verkündete, dass wir im Wort Gottes dem Herrn selbst begegnen und Ihn aufnehmen können wie in der Eucharistie: „Es ist ganz ausgeschlossen, Gott zu lieben und ihm zu gefallen, ohne von seinem göttlichen Wort genährt zu werden.“°²
Außerdem besaß er Bücher aus der Patrologie, Dogmatik, Moraltheologie, Kirchengeschichte, Hagiographie sowie viele andere, und zwar aus alter und neuester Zeit.°³
Er nährte sich vom Wort Gottes, von der Glaubenstradition der Kirche und von geistlichen Neuaufbrüchen. Dazu zählte die „Moraltheologie“ des Heiligen Alphons von Liguori, herausgegeben von Kardinal Gousset, das 1845 in zwei Bänden erschienen war. Dieses Buch hat Vianney vom unbeugsamen Moralismus befreit und zu einer Pastoral der Barmherzigkeit geführt.°4
Der Heilige Pfarrer helfe uns auf unserem der Weg der Nachfolge, damit auch wir Altes und Neues aus dem Schatz des Himmelreichs hervorholen.
ih 18.06.2026
Aus: °Jean-Marie Vianney Curé d’Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.158
°² ebenda S.153
°³ André Duplex, Comme insiste l’amour, 2010, S.95ff
°4 René Fourrey, Der Pfarrer von Ars, 1959, S.62
