16. Sonntag im Jahreskreis 19.07.2026 Lesejahr A

„Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammen holen, die andere verführt und Gesetzloses getan haben, und werden sie in den Feuerofen werfen.“ Mt 13,41f

„Es ist leichter in den Himmel zu kommen, als in die Hölle zu stürzen. Der Teufel selbst ist erstaunt, dass er uns so leicht in Versuchung führen kann. Gott ist das Element, in dem wir leben müssen. Wenn wir uns daraus entfernen, sind wir unglücklich.“ °Pfr. von Ars

Hölle, metaphorisch sehr oft im Alltag benutzt, zur Beschreibung von unerträglichen Situationen in Kriegs- und Katastrophengebieten, zur Kennzeichnung der dunklen Seiten der digitalen Vernetzung mit Hassreden und dergleichen.
Hölle und analoge Bilder werden auch von Jesus häufig benutzt, aber in der derzeitigen Verkündigung fast ein Tabu, weil es der Barmherzigkeit Gottes entgegensetzt zu sein scheint. Jesus spricht jedoch deutlich häufiger vom Himmelreich als von der Hölle oder dem Feuerofen wie im heutigen Evangelium.
„Wer Ohren hat, der höre!“ So endet heute der Schrifttext. Der Herr will also unsere Aufmerksamkeit wecken, um den Weg zum Himmelreich zu zeigen und gleichzeitig auf die Gefahren hinweisen, die von diesem Weg abziehen und in den Feuerofen führen.
Matthäus hat das Wirken Jesu Christi vom Alten Testament her gedeutet, um besonders die jüdischen Zuhörer zum Glauben an den Herrn zu führen. Der große Baum, in dessen Zweigen sich die Vögel des Himmels nisten können, findet sich bereits im Buch Daniel. Nebukadnezzar sah in einem Traum einen mächtigen Baum, der bis an den Himmel reichte und in dessen Zweigen die Vögel des Himmels nisteten, 2bis ein Wächter vom Himmel befahl, den Baum zu fällen. Nur der Wurzelstock sollte bleiben. Nebukadnezzars Herz sollte sich verwandeln in das Herz eines Tieres für sieben Zeiten. Daran sollte erkannt werden, dass über die Herrschaft bei den Menschen der Höchste allein gebietet. Daniel schloss seine Deutung mit dem Rat, die Sünden auszulöschen durch rechtes Tun. Als Nebukadnezzar stolz auf die Stadt Babel blickte, die er durch seine gewaltige Macht zum Ruhm seiner Herrlichkeit erbaut hatte, wurde ihm die Herrschaft genommen und die Weissagung Daniels erfüllte sich, bis nach der angegebenen Zeit Nebukadnezzar seine Augen zum Himmel erhob und den Höchsten pries, lobte und verherrlichte. Er erkannte, dass Seine Herrschaft ewig ist und Sein Reich alle Generationen überdauert (Dan 4,1ff).
So ist auch das heutige Evangelium ist eine einzige Einladung, die Herrschaft Gottes anzuerkennen, um im Reich des Vaters wie die Sonne zu leuchten.
Der Heilige Pfarrer predigte öfters über die Hölle, aber noch viel öfter über das Himmelreich und über die Liebe Gottes. Beide Themen entsprangen seinem Eifer, die Gläubigen vor den Gefahren eines falschen Weges zu warnen, sie zurückzurufen, sie auf dem Weg zur ewigen Herrlichkeit führen. Er warnte mit dem Bild eines Vogels in einem Käfig, der hochfliegen will, aber immer an den Deckel prallt und zurückfällt. So hält die Gerechtigkeit Gottes die Verdammten zurück. Aber sofort fügt er an, dass unsere Fehler wie ein Sandkorn gegenüber dem großen Berg der Barmherzigkeit Gottes sind. Die Barmherzigkeit ist wie ein reißender Strom, der die Herzen mitzieht°²
Vianney ringt um das Herz der Menschen, damit sie sich wie ein Vogel im Baum des Himmelreiches nisten und frei aufliegen können in die ewige Herrlichkeit Gottes. Er spricht so wie Jesus aus brennender Liebe. Gott ist da! Das reicht! Sich immer wieder neu in die Barmherzigkeit des Herrn zu werfen in all unseren Fehlern, ist der Weg zum Himmel.
In der Ostkirche wird während der Kommunion der Gläubigen gebetet: „Wie der Schächer bekenne ich Dir: Gedenke meiner, Herr, in Deinem Reiche.“ Der Schächer hat nach einem verbrecherischen Leben im letzten Augenblick der Hinwendung zu Jesus die Zusage erhalten, heute noch mit Ihm im Paradies zu sein. Gibt es eine größere Barmherzigkeit?
Leben wir mit dem Heiligen Pfarrer immer mehr in Gott als unserem Element, um den Weg nicht zu verfehlen!
9.06.2026 ih

Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.293
°² Bernard Nodet, Le curé d’Ars par ceux qui l’ont connu, 1994, S.133