„Eure Augen aber sind selig, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören.“ Mt 13,16
„Ich glaube, dass jemand, der das Wort Gottes nicht gebührend anhört, sein Heil nicht erlangen wird.“ °Pfr. von Ars
Jesus verlässt das Haus, in dem Er seine Jünger als seine Mutter und seine Brüder bezeichnet hatte, während Seine eigene Mutter und Brüder draußen standen, wie dies Matthäus im vorangehenden Text berichtet. Zur wahren Familie Gottes gehört, wer den Willen des himmlischen Vaters tut (Mt 12,49f). Das Hören auf das Wort des Herrn ist Voraussetzung hierfür. Aus der Geborgenheit und Enge des Hauses geht Jesus nun weg und setzt sich an das Ufer des Sees.
Offensichtlich waren Seine Zuhörer beeindruckt. Denn sie folgten Ihm. Er belehrt sie weiter von einem Boot aus, in das Er sich setzte. Dieses zweimalige Sitzen ist ein Hinweis auf Seine Lehrautorität. Er, der die Wahrheit ist, weiß, wie schwer der Mensch diese Wahrheit aushalten kann, da sie letztlich den Einsatz des ganzen Lebens einfordert. So hilft Er ihnen, die Hindernisse auf dem Weg zur Familie Gottes zu erkennen, wie mangelndes Verständnis, Sorgen des Alltags, Unbeständigkeit. Letztendlich haben alle diese Hindernisse eine einzige Wurzel - Hartherzigkeit. Das harte Herz verschließt Ohren und Augen, sodass der Mensch weder hören noch sehen und so nicht zur Einsicht gelangen kann. Aber der Herr bleibt nicht bei dieser Analyse stehen, sondern bietet Hilfe an – Sich selbst. Er will das harte Herz heilen durch Sein liebendes Herz, die Ohren öffnen durch Sein Hören auf den Vater, die Augen sehend machen durch Seinen Blick über den See hinaus in die Ewigkeit.
Der Herr weiß, dass trotz aller Hilfen niemals alle Ihm folgen werden, wie Er selbst erfahren hat und wie die Kirche es bis heute schmerzvoll erkennt.
Der Pfarrer von Ars hatte lange vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Wichtigkeit des Wortes Gottes erkannt, wie das damals bei der Konzentration auf die Eucharistie nicht selbstverständlich war. Die Vorbereitungen der Predigten waren für ihn die größten asketischen Übungen. Anfangs brauchte er viele Stunden zum Niederschreiben einer Predigt, die er dann auch noch auswendig lernen musste. Die Predigten waren für seine Zuhörer zu lang, sodass Vianney immer wieder einmal klagte, dass sie während seiner Predigten einschliefen: „Wenn ihr nur aufhören wolltet zu schlafen, ich würde euch die Wahrheit zu sagen!“°²
Während er anfangs vieles von anderen übernahm, fand er im Laufe der Zeit seine eigene Art der Verkündigung, die die Menschen tief betroffen hat. Es floss Gottes Liebe in seinen Worten in die Herzen der Menschen hinein. Aber nicht nur die Worte berührten die Menschen, sondern sein ganzes Wesen, seine Tränen, Seufzen, Sehnsucht und Freude. Viele bekehrten sich dank seines Apostulats. Aber auch am Ende des Lebens war immer noch nicht die ganze Gemeinde bekehrt.
„Wenn es mir gelingen würde, dass meine Männer mindestens viermal im Jahr kommunizieren würden, wären sie alle Heilige.“°³ Aber es gelang nicht. Trotzdem gab er niemals die Hoffnung auf.
Schauen wir auf uns selbst! Wenn wir ehrlich sind, so haben auch wir manchmal blinde Augen, taube Ohren und ein hartes Herz. Wenn es anders wäre, so gäbe es nicht so viele Spaltungen in unserer Kirche. Keiner ist frei von diesen Schwächen, die das Hören auf das Wort Gottes und die Nachfolge des Herrn behindern. Der Heilige Pfarrer wird uns helfen, jeden Tag neu zu Jesus zu eilen, um uns von Ihm heilen zu lassen. So kann unser hartes Herz immer flüssiger und durchlässiger für Gottes Wort und Liebe werden.
5.06.2025 ih
°Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, 1959, S.153
°² René Fourrey, Der Pfarrer von Ars, 1959, S.55
°³Patrice Chocholski, Prier avec Le Curé d’Ars, 2017, S. 82
