13. Sonntag im Jahreskreis 28.06.2026 Lesejahr A

„Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten.“ Mt 10,40f

„Der Neidige will immer hinaufsteigen; der Heilige will immer hinuntersteigen. So aber steigt in Wirklichkeit der Neidige immer hinunter und der Heilige immer hinauf.“° Pfr. von Ars

Welch eine glückliche Fügung, dass diese Worte Jesu an Seine Apostel in diesem Jahr einen Tag vor dem Hochfest der Heiligen Petrus und Paulus gelesen werden. Sie könnten Heilung für alle sein, die die geistliche Vollmacht des Papstes, der Bischöfe und Priester nach den Regeln der Gleichberechtigung weltlicher Gesetze verteilen möchten. Auch wenn wir Gottes Pläne oft nicht verstehen, so sind doch Seine Pläne immer die besseren. In der Allerheiligsten Dreifaltigkeit sind die göttlichen Personen einander zugeordnet in Hingabe, Anbetung, Lob und Preis. In der Menschwerdung Jesu, in Seinem Leiden und Sterben leidet der Vater in göttlicher Weise für uns mit. Für uns unfassbar! Keinesfalls schaut der Vater unbeteiligt auf das Leiden Jesu und auf unser Leiden. Der Sohn ist im Vater durch den Heiligen Geist.
In dieses Leben der Allerheiligsten Dreifaltigkeit möchte der Vater uns durch Seinen Sohn hineinführen, ohne Vergleich, ohne Neid. Neid haben Adam und Eva dazu bewegt, sich selbst die Frucht vom Baum zu holen, statt sie sich von Gott schenken zu lassen. Diese Ursünde ist in uns allen. Zur Freiheit Gottes kommen wir aber erst, wenn der Herr uns aus dieser Verflechtung herauszieht. In den Osterikonen der Ostkirche ist dies überdeutlich dargestellt, wenn Christus Adam und Eva am Handgelenk fasst, um sie aus der Todeswelt hinaufzuziehen in das Licht der ewigen Herrlichkeit. Adam und Eva könnten nicht einmal dem Herrn die Hand reichen in der Schwäche ihres Sündenfalls.
Der Herr will auch uns herausziehen aus dem Selber-machen. Heute sagt Er es uns ganz deutlich, dass jemand, der einen Apostel aufnimmt, Ihn selbst aufnimmt. Wer einen Propheten aufnimmt, erhält den Lohn eines Propheten. Es geht also wirklich nicht darum, dass der eine über den anderen höhergestellt ist, sondern um die Erfüllung des Heilsplanes Gottes in unserer Kirche für die Welt.
Vianney hat die Ursünde des Vergleichens, des Neides, dass der andere scheinbar von Gott mehr erhalten hat, leidvoll erfahren. Die Früchte seines Einsatzes in der Gründung der Providence, im Dienst an den Menschen im Beichtstuhl haben nicht nur Bewunderung hervorgerufen, sondern genauso stark Ablehnung, Verleumdung - besonders durch seine Mitbrüder. Wenn Vianney sie in Krankheitsfällen vertreten oder Missionen in ihren Kirchen gepredigt hat, lobten sie seinen Eifer. Als sie aber sahen, dass ihre Pfarrangehörigen nach Ars gingen, fingen sie an zu murren. Pfarrer verboten ihren Pfarrkindern unter Androhung der Verweigerung der Absolution in Ars zu beichten. Eine große Zahl betonte in ihren Predigten die Gefahren einer wenig erleuchteten Leitung. Vianney sagte, dass in dieser Zeit der Verfolgung man nicht über das Evangelium, sondern über den Armen Pfarrer von Ars predigte. Diese Predigten hatten jedoch keinerlei Erfolg. So beschloss man, sich an den Bischof zu wenden. Vianney litt darunter sehr, nahm aber alles an, sodass er sagen konnte „Das Kreuz ist das Geschenk, das Gott seinen Freunden macht.“ Vianney verzieh seinen Henkern und verrichtete einfach weiter seinen Dienst°². So wurde auch diese schwere Zeit für ihn zu einer Zeit der Gnade.
Bitten wir heute innig den Heiligen Pfarrer von Ars, auf die Probleme unserer Kirche zu schauen, sodass in der Kraft des Kreuzesleidens unseres Herrn Jesus Christus, das Vergleichen, der Neid einer neuen Hinordnung in Dienst und Liebe weichen möge.
26.05.2026 ih
Aus: °-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.185
°²Joseph Vianey, Le Bienheureux Curé d’Ars, 1923, S. 64ff