21. Sonntag im Jahreskreis 24.08.2025 Lesejahr C

„Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt und ihr draußen steht, an die Tür klopft und ruft: Herr, mach uns auf!, dann wird er euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid.“ Lk 13,25

„Welche Güte Gottes! Sein gütiges Herz ist ein Meer an Barmherzigkeit; welch große Sünder wir darum auch sein mögen, verzweifeln wir nicht an unserem Heil. Es ist so leicht, sich zu retten!“° Pfr. von Ars

„Gott ist Liebe“ (1Joh 4,16). Wie kann dieser Gott der Liebe Menschen, die anklopfen, für immer die Tür verschließen?
„Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn einer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und Mahl mit ihm halten und er mit mir“ (Off 3,20“).
Der Herr steht ständig vor unserer Tür, klopft an und wartet, dass wir Ihn hineinlassen. Er sehnt sich mehr nach uns, als wir uns nach Ihm sehnen können. Dem Herrn die Tür zu öffnen, bedeutet sich Ihm zuzuwenden, Seine Stimme zu hören, Seinen Worten zu folgen. Er kennt unsere Schwäche, unsere Sünden und hat tiefes Mitleid mit uns. Ein Wort der Reue, das der rechte Schächer am Kreuz am Ende eines verkorksten Lebens geäußert hat: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ (Lk 23,42) genügte, um noch am gleichen Tag in das Reich des Herrn zu gelangen. So ist Gott!
Aber die Einsicht in das eigene Unrecht ist Voraussetzung, dass Gott verzeihen kann. Wie könnte Er etwas verzeihen, was wir für richtig halten? Er lässt uns unsere Freiheit, weil Liebe nur auf dem Boden der Freiheit möglich ist.
Jesus Christus hat alle Sünden auf sich genommen, um uns den Weg zum Himmel zu öffnen. Wir selber könnten nicht die kleinste Sünde wiedergutmachen. Er leidet und weint, wenn Seine Erlösung nicht angenommen wird. Er weint über Jerusalem, dass Seinen Worten nicht gefolgt ist und so dem Untergang der Stadt mit unglaublichem Leid entgegen geht (Lk19,41ff).
Der Pfarrer von Ars hat die zerstörerische Kraft der Sünde immer mehr erkannt und sein Gebet verbunden mit Askese für die Umkehr der Sünder immer mehr vertieft. Für ihn war es unfassbar, die Liebe Gottes auf der einen Seite und die Verweigerung des Menschen zur Umkehr auf der anderen Seite zu erkennen.
„Es ist unmöglich zu begreifen,“ sagt Catharina in ihren Notizen, „wie sehr dem Herrn Pfarrer das Heil der Seelen am Herzen lag. Man kann sagen, er seufze fortwährend über ihren Verlust. Wir haben ihn so oft mit zerrissenen Herzen sagen hören: „Wie schade, dass diese Seelen verloren gehen, die dem lieben Gott doch so viele Leiden gekostet haben“. - Mir sagte einst jemand, es sei so rührend gewesen, den Pfarrer von Ars über das Verderben der Seelen weinen zu sehen. Er hatte die Augen gen Himmel gewandt gehalten und geseufzt: „Mein Gott! Ist denn möglich, dass du so viele Qualen für die Rettung der Seelen erduldet, und dass diese dennoch eine Beute des Satans werden!“°²
Vianney ist ein Abbild Christi geworden, der um jeden einzelnen leidet und weint.
Klagen wir also nicht Gott an, sondern klagen wir uns selber an, um zu erfahren, dass wir in der Barmherzigkeit Gottes geborgen sind. Schließen wir uns auch dem Gebet unseres Heiligen Pfarrers an und beten für die, die die Liebe Gottes noch nicht erkannt haben, damit sie den Weg der Umkehr finden.
17.07.2025 ih
Aus: Jean-Marie Baptiste Vianney Pfarrer von Ars, hrsg Bernard Nodet, 1959, S.161
°² Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars, Joh. Bapt. Maria Vianney, 2. Bd.1863, S.417